seedyaa News & Blog

Hier findet Ihr aktuelle Nachrichten aus der seedyaa Welt. Neue Features, Funktionen und Infos zur Plattform sowie Berichte, Interviews, Dokumentationen und nützliche Tipps für Ladenbesitzer und Produkthersteller.
Viel Spaß wünscht Euer seedyaa Team.

Anregungen, Kritik und Themenvorschläge sendet gern an redaktion@seedyaa.com
Eine Info-Mail zu neuen Blogposts bestellt Ihr unter blognews@seedyaa.com Betreff: blognews

19.06.2012

Handmade- und Designermärkte in Deutschland

Eventshopping ist in. Besonders bei Individualisten.

Ihr habt sie bestimmt auch schon bemerkt: die zahlreichen Handmade- und Designermärkte deren Beliebtheit steigt und steigt. Sie heißen hello handmade, Liese & Lotte, TrendMafia, kaufrauschen, handmade supermarket, DesignGift usw. und wir bei seedyaa sind allesamt große Anhänger!

Der Markt für individuelle Produkte wächst und wächst... Diese Entwicklung zeigt sich nicht nur mit der Expansion der Onlineplattformen für individuelle Produkte, sondern auch an der starken Zunahme der vielen „Offline-Märkte“. Beinahe jedes Wochenende gibt es mittlerweile in deutschen Großstädten einen Design- oder Handmade-Markt. Anders als beim Online-Shopping haben die Verbraucher hier auch das taktile, unmittelbare und soziale Einkaufserlebnis.

Vor der Entstehung der neuen, bunten und designorientierten Märkte waren in Deutschland Kunsthandwerkermärkte die Anlaufpunkte für Kunden, die sich für handgemachte Produkte interessierten.
Auf diesen Events stellten größtenteils professionell ausgebildete Kunsthandwerker ihre Waren aus. Hersteller, deren Produkte nicht in die klassischen Sparten des Kunsthandwerks einzuordnen waren, hatten eher geringe Chancen, auf diesen Märkten erfolgreich zu verkaufen.

Die moderne Design- und Handmadeszene von heute kann viele Produkthersteller vorweisen, die ihre kreative Tätigkeit nebenberuflich ausüben oder ihr Hobby zum Beruf gemacht haben.
Besonders für sie war es früher oft schwierig, neben professionellen Kunsthandwerkern als gleichwertig und kompetent betrachtet zu werden.
Es war an der Zeit, einen neuen Raum für die neuen Hersteller zu schaffen.

Die ersten Handmade-Märkte wurden in den USA veranstaltet. Besonders bekannt sind die 2003 zum ersten Mal veranstalteten Renegade Craft Fairs in Großstädten wie Austin, New York, Los Angeles, San Francisco oder Chicago. Neuerdings wird auch in London eine große Renegade Craft Fair veranstaltet.

Nun sind die Märkte mit einigen Jahren Verzögerung auch in Deutschland angekommen und erfreuen sich größter Beliebtheit. Ausgelöst durch die weiter zunehmende Ausbreitung des Systemhandels und die damit einhergehende Gleichschaltung des Produktangebots wächst bei vielen wieder der Wunsch nach Individualisierung und Produkten, die das ermöglichen. Auch der Wunsch nach Transparenz der Produktionsprozesse und hoher Qualität ist spürbar.
Dies eröffnet für kreative Produkthersteller neue Verkaufschancen, die online, auf Märkten und seit Neuestem auch im Einzelhandel realisierbar sind. Durch das Aufpeppen des Sortiments mit handgefertigten Unikaten und individuellen Kleinstserien bietet sich Einzelhändlern die Chance, sich vom uniformen Systemhandel abzugrenzen und um verlorene Kunden zurück zu gewinnen.

Doch nun zurück zum Event Shopping:

Für die Kunst- und Medienwissenschaftlerin Verena Kuni treffen Handmade-Märkte die Wünsche einer gesellschaftlichen Nische, die für einen bewussten und kreativen Konsum steht:

„Was auf den ersten Blick aussehen kann wie ein strategisch lanciertes Event zum Absatz handgefertigter, hochpreisiger Designerware, bietet tatsächlich ein Hybrid aus Kunstausstellung, Kultur zum Mitmachen, sowie kreativ transformierten Kleidung und Objekten, die man auch mit kleiner Geldbörse erstehen kann.“

Kuni, Verena: „Verstrickt und zugenäht? – Die Handarbeit, die Kunst, die Mode und ihre LiebhaberInnen“, S. 85 in critical crafting circle (Hg.) „Craftista! Handarbeit als Aktivismus“ Ventil Verlag, 2011

Die von Kuni erwähnte Mitmachkultur realisiert sich auf Handmade Märkten häufig in Form von DIY – Ständen, an denen die Besucher selbst ihre handwerklichen Fähigkeiten unter Beweis stellen können.
Der persönliche Austausch mit den Herstellern verleiht den Events einen menschlichen Charakter und eine Transparenz, die heutzutage einzigartig ist.
Unter den Ausstellern gilt: die hochwertigen Produkte werden so kreativ und liebevoll wie möglich präsentiert. Aggressive Preiswerbung ist tabu. Wühltische ebenso.

Denn Handmade- und Designermärkte sind also vor allen Dingen eins: ein Fest für die Sinne!

Copyright Fotos: kaufrauschen